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Abendseminar: Zuhause in Gott
Dienstag, 23. September 2008, 19-22 Uhr
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Tagesseminar: The real God - The real You - Der Prozess der
Wiederentdeckung unserer Identität
Mittwoch, 24. September, 10-18 Uhr
Neale Donald
Walsch zeigt uns in seinen Seminaren in Zürich, wie ein neues Gottes- und
Weltverständnis zur Quelle von einem neuen Glück werden kann. Er lüftet das
Geheimnis der Gesetze der Manifestation und der persönlichen Schöpfung und
zeigt, was wirklich hinter dem Mythos steckt, dass die Welt ein Abbild
unserer Vorstellungen ist - so dass wie wir sie freier gestalten können. Und
das Schönste: Der Gott, dem wir hier begegnen, ist in jedem Menschen zu
Hause.
Neale Donald Walsch
- einer der wichtigsten Repräsentanten eines neuen spirituellen une
energetischen Aufbruchs.
Eine philosophische Betrachtung von Bernhard Schär, Inhaber Parabola
Forum Zürich
Wenn wir uns einen geistesgeschichtlichen Aufbruch von vergleichbarer
weltbewegender Energie vor Augen führen wollen, müssen wir auf Epochen
zurückgehen, die der Philosoph Karl Jaspers die „Achsenzeit“ nannte.
Zwischen dem neunten und dem zweiten Jahrhundert vor Christus bildete sich
eine neue Form des menschlichen Bewusstseins heraus. In dieser Zeit
entwickelten sich die grossen Glaubensrichtungen: Hinduismus und Buddhismus
in Indien, Daoismus und Konfuzianismus in China, der Rationalismus in
Griechenland und der Monotheismus im biblischen Israel.
Aus heutiger Sicht begreift man die aus der Achsenzeit entstandenen
Religionen als grandiose Experimente über die Differenz von Geist und
Materie, bzw. von Objektivität und Subjektivität. Von dieser erstrangigen
Unterscheidung sind alle weiteren Gegensätze abgeleitet, die für die
Organisation des geistig-seelischen Lebens in den verschiedenen Hochkulturen
massgeblich geworden sind. Erinnern wir uns an ein paar Gegensätze, die
Pythagoras aufgezählt hat: hell und dunkel, begrenzt und unbegrenzt,
männlich und weiblich, das Ruhende und das Bewegte, die unsterbliche Seele
und der sterbliche Körper, das Unverfügbare und das Verfügbare, der Zweck
und die Mittel und so weiter. Je mehr Energien eine frühere Kultur in die
Ausgestaltung dieser Differenzen investierte, desto schärfer prägte sich in
ihnen die kulturrevolutionäre Dynamik des zweiwertigen Denkens gegenüber den
frühen animistischen, also einwertigen Weltauslegungen aus. Und sich an
Gegensätzen zu erfreuen bedeutet auch, kraft unserer Fantasie die Gegensätze
auseinander zu schieben, um Raum zu schaffen und dann die wundervollen
Energien zu geniessen, die von beiden Seiten ausgeht.
Doch all diese Hochkulturen treten auch als evolutionär neuartige Gebilde
aus politischer Machtbildung und metaphysischer Weltauslegung ihren
Siegeszug an. Und so konnte es nicht ausbleiben, dass die Differenz zwischen
Subjekten und Objekten auch die menschlichen Beziehungen beeinträchtigte,
insofern sie sich unter dem Zeichen von Ungleichheit und Klassenherrschaft
begegneten. Während in den Naturreligionen das Seelische allgegenwärtig ist
und keinen äusseren Gegensatz zu kennen scheint, führt der hochkulturelle
Dualismus zu einer Verknappung von Seele, Subjektivität und Macht. So wurde
die Sklaverei als auch die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen erst
möglich. Ebenso die Erlösungsreligionen. Sie hatten die Aufgabe für die
Opfer von Entseelungen Wiederbeseelungschancen offenzuhalten.
Soviel zur Geschichte. Doch woraus speist sich heute die individualistische
Tiefenströmung des modernen Zivilisationsprozesses? Sicher einmal in der
Demokratisierung des Rechtsanspruches auf Subjektivität. Will heissen: das
eigene Leben so zu gestalten, wie es mir selber am sinnvollsten erscheint.
Doch damit verbindet sich auch der gottfreie Wille zur Macht, welche
insbesondere amerikanische Autoren in eine smarte Lehre vom Recht auf Kraft
(Power) übersetzten. Ein moderner Held ist dann derjenige, der sich täglich
dazu aufrafft, sich zu seiner Chance zu bekennen. Anders formuliert: ein
moderner Mensch ist man heute nur, wenn man über ein gewisses Kapital an
Willenskraft und Selbstvertrauen verfügt.
Was aber ist zu raten, wenn wir keinen Zugang zu Visionen und Willenskräften
finden, wenn die Quellen des Selbstvertrauens im Moment unauffindbar sind?
Als guter Amerikaner antwortet Neale Donald Walsch darauf, dass jeder Mensch
ein unveräusserliches Recht darauf habe, sein Leben aus den Überzeugungen zu
führen, die ihn schon jetzt zum höchsten Einsatz seiner Selbst zu bewegen
vermögen. Und wer in seinem Innern noch keine Energiequelle gefunden hat,
darf in gar keinem Fall resignieren; er muss weitersuchen, bis er an
Tiefenkräfte rührt. Jeder Mensch wird so zu einem potentiellen Medium für
Lebenskraft und für neue Inspirationen aus dem Reich der Transzendenz. Wahr
wird, was wirkt, was im Leben Früchte trägt. Gott wird dadurch zum
persönlichen Sponsor.
Nachdenkliche Leser aus der europäischen Tradition der Skeptikerschule mögen
dies Amerikanismus im Religiösen nennen, wäre da nicht Johann Gottlieb
Fichte, der bereits vor über 200 Jahren zu bedenken gab: „Wer sich selbst,
im Geist konsequenter Objektwissenschaften, als durch und durch
fremdverursachtes Partikelchen in der Welt begreift, trennt sich von seiner
Spontaneität und riskiert, in unheilbarer Entseelung zu versinken“. Damit
wird auch deutlich, dass trotz der Säkularisierung unsere Seele weiterhin
die Bühne bleibt, auf der die Uraufführung der Welt für jeden von uns
gegeben wird. Und mit dieser Leistung bleibt die Seele weiterhin das
abenteuerliche Herz unserer Existenz. Und unser Herz lebt besonders dann
auf, wenn wir neue Chancen, neue Möglichkeiten entdecken. Dabei versöhnt die
Chance den Einzelnen mit dem Unbekannten, indem sie ihm zeigt, wo er den
Sprung ins Gelingen von neuem versuchen soll.
Anhänger etablierter Glaubensformen mögen diese Pragmatisierung des
Religiösen anstössig finden, aber man kann nicht bestreiten, dass der Glaube
schon immer zum Geheimnis des Erfolges gerechnet wurde. Durch ein
Glaubenswagnis werden Selbsterfahrungen im Erfolg freigesetzt und durch den
Erfolg eine Selbsterfahrung im bestätigten Vertrauen.